Joachim Bundschuh ist Pfarrer der Stadtkirchengemeinde in Offenbach und der Friedensgemeinde in Kelsterbach.

Neustart durch Ostern

Der Computer des Lebens stürzt nicht mehr ab • Von Joachim Bundschuh

Manchmal ist es gut, die »Reset-Taste« zu drücken. Wenn sich der Computer wieder einmal aufgehängt hat, wenn nichts mehr geht und es einfach zum Davonlaufen ist. Dann ist es gut, dass es am Computer so etwas wie einen Neustart gibt. Alles wird noch einmal neu hochgefahren und schon kann es losgehen – immer in der Hoffnung, dass er sich diesmal nicht wieder aufhängt.

Manchmal wäre es gut, wenn auch das Leben eine Reset-Taste hätte. Einfach noch einmal von vorn anfangen. Dann, wenn die Situation ganz verfahren und kein Ausweg in Sicht ist. Dann, wenn man sich vorkommt als wäre man ein Hamster in einem Rädchen und drehe sich nur im Kreis. Dann, wenn eine Beziehung auf der Kippe steht und sie durch so vieles aus der Vergangenheit belastet ist.

Dann wäre eine Reset-Taste gut. Aber – es gibt sie nun einmal im realen Leben nicht, die Reset-Taste, oder?! Vielleicht haben wir sie aber auch auf unserem Lebenscomputer nur noch nicht entdeckt. Im Wochenspruch für die heute beginnende Woche wird uns jedenfalls gesagt, dass es sie gibt, die Reset-Taste. Und mehr noch: Dass sie bereits gedrückt wurde. Von Gott.

»Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.«

Gott hat in der Auferstehung Jesu Christi die Reset-Taste für die Welt gedrückt. Gott wagt einen Neustart. Denn schließlich hat er sich endgültig aufgehängt, der Lebenscomputer dieser Welt. Oder besser: Die, die den Lebenscomputer bedienen, haben so viel falsch gemacht, dass es nicht anders kommen konnte als zu einer Aufhängung. Am Kreuz. Kein noch so gewiefter Spezialist hätte ihn wieder flott bekommen. Da half nur ein kompletter Neustart: Die Auferstehung.

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. 1.Petrus 1,3

Diesen Neustart hat Gott in der Auferstehung Jesu Christi mit der gesamten Welt unternommen. Und zwar so gründlich, dass kein noch so gravierender Computerfehler den Lebenscomputer jemals wieder zur Aufhängung bringen kann. Garantiert.

Eine gute Nachricht ist das. Besonders für alle, die, wie ich, wissen, dass der nächste Fehler um die Ecke lauert. Die wissen, dass das Leben voller böser Überraschungen stecken kann: Krankheiten, die plötzlich auftreten können, geliebte Menschen, deren Wege sich von meinen Wegen trennen, der Arbeitsplatz, an dem ich plötzlich nicht mehr gebraucht werde.

Der Neustart Gottes mit uns bewahrt uns und die Welt nicht vor weiteren Fehlern. Das erleben wir jeden Tag aufs Neue. Der Neustart Gottes kann uns aber in unseren eigenen verfahrenen Situationen Hoffnung machen. Hoffnung, dass ich mich immer wieder einklinken kann in diesen großen Neustart Gottes, denn schließlich ist in ihm auch in meinem Leben der Reset-Knopf gedrückt worden. So kann ich aus den Schattenerfahrungen meines Lebens immer wieder heraustreten, hinein in ein neues, verändertes Leben – sogar noch mitten im Tod. Diesen Neustart kann ich jeden Tag neu wagen, weil Gott mich jeden Tag neu hineinziehen will in den großen Neustart der Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Gott sei auf ewig Lob und Dank dafür.

ABC des Glaubens

Nwie Neustart: Bereits die Hebräische Bibel, das Alte Testament, erzählt »neue« Geschichten. So ist die Schöpfungsgeschichte durch Gottes Sprechen gekennzeichnet, das im Anfang »Tohuwabohu«, die Wüste und die Leere, ordnet, damit Leben entstehen kann. Neu anfangen müssen auch Adam und Eva, als sie, vertrieben aus dem Paradies, vor dem Garten Eden lagern und sich durch ihrer Hände Arbeit ernähren müssen. Nach der Sintflut baut Noah auf die erneuerte Schöpfungszusage Gottes, hinfort die Erde um der Menschen willen nicht mehr zu verfluchen. Das Volk Israel findet nach dem Exodus und einer 40-jährigen Wanderung eine neue Heimat und einen neuen Anfang. Die Rückkehr Judas aus dem Exil in Babylon und die in der Bibel einmalige, skeptische Theologie des Kohälät sind weitere maßgebliche Neuanfänge der jüdischen Religion. Menschwerdung, Tod und Auferstehung Gottes bilden die neue Glaubensbasis des jungen Christentums, das sich im Laufe der Jahrhunderte wiederum in mehrere Konfessionen aufspaltet und damit den Streit um die jeweils gültige Auslegung der christlichen Botschaft offensichtlich macht. »Neustarts« einer Religion zeigen somit auch, dass deren Botschaft ohne Bezug auf die jeweilige Gegenwart unverständlich wird.

Danken und denken

Barmherziger Gott,

wir sind wie die neugeborenen Kindlein.

Wir vertrauen Dir und sind auf Deine Nähe angewiesen.

Hab Geduld, wenn wir Dir Ruhe und Nerven rauben.

Wir wachsen noch. Amen