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Schlüsselgeräusch strukturiert den Tag

Das Leben im Gefängnis ist fremdbestimmt – Gefängnisseelsorgerin und Häftlinge berichten von ihrem Alltag • Von Doris Stickler

Frankfurt. Seit rund 25 Jahren trifft sich in der Luthergemeinde ein »Offener Kreis«. Einmal in der Woche berichten Fachleute über kulturelle, theologische und gesellschaftliche Themen. Nun war eine Gefängnisseelsorgerin zu Gast.

Im Gefängnis lässt sich die Uhr nach dem Schlüsselrasseln stellen. Schließgeräusche strukturieren hier den Tag. Ob zum Frühstück, zum Mittagessen, zur Freistunde, zum Hofgang, zum Abendbrot – von morgens halb sieben bis abends um acht werden die Zellen abwechselnd auf- und zugesperrt.

Freitag, Samstag und Sonntag dreht sich der letzte Schlüssel bereits um Viertel vor Sechs. Dreizehn lange Stunden sitzt dann die Inhaftierte auf acht Quadratmetern fest. Mitunter teilen sich auch zwei Personen den engen Raum.

Gefängnisseelsorgerin Christiane Bastian ihm Gespräch mit Elke Müller und Eva Seeger über das Leben in einem Gefängnis und die Sorgen und Nöte der betroffenen Frauen.

»Freiheit ist ein hohes Gut«. Was Schillers Worte bedeuten, wird im normalen Leben selten erfasst. Es sei denn, man erfährt von Pfarrerin Christiane Bastian vom Alltag im Preungesheimer Frauengefängnis. Wem ist schon bewusst, dass Selbstverständlichkeiten wie telefonieren auch Freiheit heißt? Inhaftierten wird sie im Monat dreißig Minuten lang gewährt. Das Leben hinter Gittern ist »durch und durch fremdbestimmt«, jeder Schritt reglementiert, machte die Theologin bei ihrem Besuch in der Frankfurter Luthergemeinde klar. »Nach spätestens fünf Metern stößt man auf eine verschlossene Tür«.

Einen Freiraum bietet da das Seelsorgegespräch. Für die Gefangenen ist es die einzige selbstbestimmte Entscheidung, in der Pfarrerin begegnen sie zudem der einzigen Person, die in der Haftanstalt Schweigepflicht geltend machen kann. In Christiane Bastians Büro kommen Frauen verschiedener Religion und Nationalität, gleiches gilt für den dreisprachigen Gottesdienst. Bis zu 80 Besucherinnen feiern sonntags zusammen. Hier haben sie auch Gelegenheit, mal miteinander zu reden.

Im »Offenen Kreis« wurden die Pfarrerin und ihre beiden Begleiterinnen mit allerlei Fragen überhäuft. Eva Seeger, die als Drogenkurierin fungierte und zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden ist, erzählte unter anderem von den Vorteilen des offenen Vollzugs. Statt in der Gefängnisküche oder der Gefängniswäscherei könnte sie jetzt sogar draußen arbeiten – wenn sie denn eine Stelle fände. Bislang habe sie vergebens gesucht. Arbeit zu bekommen sei allgemein schwer, eine Vorstrafe mache es nicht leichter. Doch auch mit einem regulären Job wäre sie von Normalität noch weit entfernt. Mit Kollegen ins Kino oder in die Kneipe zu gehen ist nicht drin, mit ihnen über Privates zu reden so eine Sache.

Freigängerinnen müssen von ihrem Lohn zudem monatlich 178 Euro für das »Zimmer« berappen. Hinzu kommen 70 Euro für eine Verpflegung, die pro Person mit 2,10 Euro für drei Mahlzeiten am Tag berechnet wird. Die mindere Qualität des Essens bereitet Pfarrerin Bastian aber die geringsten Sorgen.

Seit 1999 in Hessen die Regierung wechselte und inzwischen der Strafvollzug unter die Länderhoheit fällt, wehe ein »deutlich anderer Wind«. Der Resozialisierungsgedanke sei in den Hintergrund gerückt, dafür besitze der Sicherheitsaspekt Priorität, so ihr Befund. Gerade bei Frauen, die mehrheitlich wegen so genannter Bagatelldelikte im Gefängnis landen, würde die Seelsorgerin die »Suche nach anderen Lösungen für sinnvoller« erachten.

Elke Müller etwa bekam wegen Betrugs drei Jahre Haft verhängt. Zuerst im geschlossenen Vollzug, verbrachte sie im Rahmen einer Arbeitstherapie acht Stunden mit Häkeln und Stricken. Dafür erhielt sie 6,31 Euro – am Tag wohlgemerkt. Seit einem Monat im offenen Vollzug, hat Elke Müller kürzlich um »Halbstrafe« nachgesucht, da sie zum ersten Mal straffällig geworden ist und sich überdies freiwillig stellte. Jetzt kann sie nur hoffen, dass ihr Antrag positiv beschieden wird.