Aufwand und Ergebnis in einem sinnvollen Verhältnis?

Angestellten-Tarifwerk KDAVO soll überprüft, Mitgliedermagazin »Echt« eingestellt werden – Interview mit Cordelia Kopsch

Der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), die vom 23. bis 25. April in Frankfurt am Main tagt, liegt eine umfangreiche Streichliste vor. Wie in unserer vorigen Ausgabe berichtet, soll die 2005 eingeführte Kirchlich-Diakonische Arbeitsvertragsordnung (KDAVO) überprüft werden. Außerdem soll das Mitgliedermagazin »Echt« zum Jahresende ersatzlos eingestellt werden. Weiter Vorschläge betreffen Tagungshäuser, die Frauenarbeit und den Jugendkirchentag. Wolfgang Weissgerber sprach darüber mit der stellvertretenden Kirchenpräsidentin Cordelia Kopsch.

Frau Kopsch, seit drei Jahren diskutiert die EKHN auf allen Ebenen und in eigens dafür eingerichteten Gremien unter dem Stichwort »Perspektive 2025« ihre Zukunft. Sie will dabei festlegen, welche Arbeitsfelder und Einrichtungen Bestand haben sollen und was entbehrlich scheint. Wann ist denn mit ersten Beschlüssen und deren konkreter Umsetzung zu rechnen?

Cordelia Kopsch: Einen großen Beschluss haben wir schon, der betrifft die Finanzperspektive der EKHN, die ja sehr langfristig gedacht ist.

Sie meinen die jährliche Abschmelzung der Etatposten und der Pfarrstellen um jeweils ein Prozent?

Kopsch: Genau. Neue Beschlussvorschläge werden der Synode jetzt, Ende April, vorgelegt. Weitere Entscheidungen können auch in der Herbstsynode gefällt werden. Wir müssen unterscheiden zwischen der jetzt eingereichten Vorlage und den längerfristigen Projekten. Beispielhaft nenne ich das Regionalisierungskonzept oder die Personal- und Kompetenzentwicklung. Dazu wird es Berichte in der Herbstsynode geben. Die Kernidee dabei ist es, den Regionen noch mehr Spielraum für die Gestaltung ihrer Arbeit zu geben. Alle Regionen sind unterschiedlich und vor Ort weiß man am besten, was wofür gebraucht wird.

In der Vorlage für die Synode steht auch ein Prüfauftrag für die neue Kirchlich-Diakonische Arbeitsvertragsverordnung KDAVO. Es soll festgestellt werden, so heißt es darin, »ob der mit der Ablösung von öffentlichen Tarifwerken und der Einführung und Pflege der KDAVO verbundene Aufwand verhältnismäßig ist«. War also womöglich alles für die Katz’, kehrt die EKHN in diesem Fall zum staatlichen BAT oder dessen Nachfolge-Tarifwerk TVöD zurück?

Kopsch: Genau diese Schlussfolgerung zieht die Steuerungsgruppe nicht. Sie sagt aber, wir haben festgestellt, dass sowohl die Einführung als auch die Pflege der KDAVO offenbar viel Aufwand erfordern. Da muss man schauen, ob Aufwand und Ergebnis in einem sinnvollen Verhältnis zueinander stehen. Aber das sind echte Fragen, die es ergebnisoffen zu prüfen gilt. Deshalb wäre es im Moment falsch, die Schlussfolgerung daraus abzuleiten, das war alles umsonst.

Welchen Schluss soll man denn ableiten, wenn man feststellt, der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag?

Kopsch: Erst einmal muss man das feststellen. Oder eben nicht. Wir schlagen nur vor, das einfach genau anzuschauen. Es zeichnet uns als EKHN ja aus, dass wir bereit sind neues zu versuchen und dann selbstkritisch zu überprüfen.

Und was Sie dann möglicherweise machen, ist noch ganz offen?

Kopsch: Ja. Ein Prüfauftrag muss grundsätzlich offen sein. Wenn wir das Ergebnis vorher wüssten, dann wäre eine Prüfung ja nicht notwendig.

Aber über Alternativen muss doch diskutiert werden. Wie sehen die denn aus?

Kopsch: Das wäre erst der nächste Schritt. Jetzt müssen wir uns erst einmal auf den ersten verständigen.

»Nahe bei den Menschen sein« – das liest man in den Papieren zur Perspektive 2025 ständig. Mehrfach heißt es deshalb, der nach innen gerichtete Aufwand solle reduziert werden. Einige Kürzungsvorschläge, zum Beispiel bei den Jugendkirchentagen, betreffen aber unmittelbar die eigentlich doch zu bevorzugende Arbeit mit Menschen. Wie passt das zusammen?

Kopsch: Als Kirche haben wir den Auftrag, das Evangelium in die Welt zu tragen. Deshalb wollen wir überall nachschauen, wo wir nach innen gerichteten Aufwand verringern können. Aber es wird uns nicht erspart bleiben, auch in Arbeitsbereichen, die direkt nach außen gerichtet sind und die wir eigentlich gerne erhalten würden, zu fragen, ob wir hier etwas herunterfahren. Wir sagen ja auch nicht, Jugendkirchentage sollen aufgegeben werden. Sondern möglicherweise wäre es ein erträglicher Beitrag zur Kürzungsauflage, den Rhythmus der Jugendkirchentage auf vier Jahre zu verlängern.

Auch die Arbeit der Evangelischen Frauen wird als wichtig hervorgehoben und zugleich mit einem spürbaren Kürzungsvorschlag bedacht. Warum? Aus denselben Gründen?

Kopsch: Ja, aus denselben Gründen. Die Steuerungsgruppe verbindet mit ihren Vorschlägen nicht die Aussage, irgendeiner dieser Arbeitsbereiche sei unwichtig, habe nicht gut funktioniert und sei nicht wert, weitergeführt zu werden. Aber gerade in Zeiten der Finanzkrise müssen wir fragen, ob nicht an einzelnen Arbeitsbereichen etwas verändert werden kann. Die Frauenarbeit empfängt hohe Zuweisungen. Wo wir in der Vergangenheit gesagt haben, dies oder jenes ist wünschenswert, fragen wir nun genauer, ob es alles weiterhin notwendig ist. Bei allen Überlegungen hat sich die Steuerungsgruppe von einer Perspektive leiten lassen, die wir in der Synodenvorlage so formuliert haben: »Sie (die Kirche) will den Glauben an Jesus Christus bezeugen und in die Welt tragen, Gemeinschaft bilden, gesellschaftliche Teilhabe fördern und für die Gesellschaft orientierend wirken.«

Das vollständige Interview können Sie in der aktuellen Ausgabe der Evangelischen Sonntags-Zeitung lesen. Ein kostenloses Probeabonnement können Sie hier bestellen.